Zum Inhalt
Wirtschaft im Fokus

Geld, Märkte, Alltag.

Märkte & Trends

Wirtschaftskrise Deutschland: Wie schwer ist die Lage 2026?

Das BIP wächst wieder, doch Industrie, Arbeitsmarkt und Preise zeigen, warum viele Daten nach Krise aussehen. Eine Bestandsaufnahme mit Zahlen und Prognosen.

Text: Redaktion 12 Minuten Lesezeit

Artikel empfehlen
Morgendunst über einer Landschaft mit mehreren aufsteigenden Rauchfahnen von Schornsteinen, Sonnenlicht im Hintergrund.
Foto: Foto-Rabe / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Deutschland steckt 2026 nicht mehr in einer Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal um 0,3 % zum Vorquartal und um 1,0 % zum Vorjahresquartal. Die Konjunktur hat sich damit gefangen, die Krise ist strukturell aber nicht überwunden, denn knapp 3 Mio. Menschen sind arbeitslos und die Industrie schrumpft seit drei Jahren.

Der Begriff „Krise“ wird derzeit für sehr Verschiedenes verwendet: für die Konjunktur, für den Arbeitsmarkt, für die Industrie und für das Preisniveau. Die Daten stammen vom Statistischen Bundesamt (Destatis), der Bundesagentur für Arbeit (BA), der Bundesbank und dem Sachverständigenrat Wirtschaft, Stand bis Oktober 2026.

Hinweis: Die genannten Prognosen und Einschätzungen sind keine Anlageberatung und keine Empfehlung für finanzielle Entscheidungen im Einzelfall. Prognosen werden regelmäßig revidiert, auch die Statistik selbst wird nachträglich überarbeitet.

Stand September 2026: Wie krisenhaft ist die Lage wirklich?

Die Lage ist zweigeteilt: Die Gesamtwirtschaft wächst, aber schwach und getragen von wenigen Bereichen. Laut Destatis (Pressemitteilung Nr. 303 vom 25.08.2026) lag das BIP im zweiten Quartal 2026 um 0,3 % über dem Vorquartal. Die Schnellmeldung hatte zunächst nur 0,2 % ausgewiesen. Im Vorjahresvergleich beträgt das Plus 1,0 %.

Wer von einer Rezession spricht, meint meist die „technische“ Definition: zwei aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem BIP gegenüber dem Vorquartal. Diese Definition ist nicht verbindlich. Wirtschaft und Schule (IW Junior) weist darauf hin, dass es keine einheitliche gibt. Die bpb ergänzt, dass auch ein Jahresminus oder die Produktionslücke, also die Abweichung vom Produktionspotenzial, als Maßstab dienen. Selbst bei positivem BIP ist eine „Growth Recession“ denkbar, in der die Wirtschaft wächst, aber unter ihrem Potenzial bleibt. Nach den Quartals- und Jahreskriterien lässt sich die Lage im Sommer 2026 nicht als Rezession bezeichnen; zur Produktionslücke liegen keine belegten Zahlen vor.

Anzeige

Werbefläche frei. Wir beraten Sie gern.

Werbemöglichkeiten

Der Sachverständigenrat Wirtschaft beschreibt im Frühjahrsgutachten 2026 die Schwäche als siebenjährig und neben zyklischen auch strukturell bedingt. Sieben Jahre Schwäche seit 2019 bedeuten: Ein einzelnes gutes Quartal beendet die Debatte nicht.

Die Zahlen im Überblick: BIP, Arbeitsmarkt, Preise

Die wichtigsten Krisenindikatoren, jeweils mit dem jüngsten verfügbaren Wert:

IndikatorWertStandQuelle
BIP Q2 2026, zum Vorquartal+0,3 %08/2026Destatis
BIP Q2 2026, zum Vorjahresquartal+1,0 %08/2026Destatis
Arbeitslose2,994 Mio.09/2026BA
Arbeitslosenquote6,4 %09/2026BA
Unterbeschäftigung3,615 Mio.09/2026BA
Inflationsrate (VPI)3,3 %09/2026Destatis
Industrie-Wertschöpfung 2025−1,3 %01/2026Destatis

Die Inflation liegt mit 3,3 % im September (August: 2,9 %) deutlich über dem Langfristmittel des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 2,0 % für 1999 bis 2025. Treiber sind die Energiepreise: Die Bundesbank weist für den HVPI im September 2026 einen Anstieg der Energie um 13,4 % aus, die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei 2,5 %. Nahrungsmittel verteuerten sich laut Destatis nur um 0,4 %. Die Energie ist der Haupttreiber der Teuerung, die Kerninflation liegt mit 2,5 % aber ebenfalls über dem Zielwert von 2 %.

Beim Verarbeitenden Gewerbe sank die preisbereinigte Bruttowertschöpfung 2025 um 1,3 %, das dritte Jahr in Folge mit Rückgang. Bei den Unternehmensinsolvenzen meldet die tagesschau für 2025 den höchsten Stand seit 2014; in der Industrie seien 2025 mehr als 120.000 Jobs verloren gegangen. Beide Angaben stammen aus einer Themenübersicht und sollten als Größenordnung gelesen werden.

Seit wann die Schwäche? Revision macht aus „zwei Rezessionsjahren“ ein Stagnationsjahr

Viele Texte sprechen von zwei Rezessionsjahren 2023 und 2024. Diese Aussage ist überholt. Die Sommerüberarbeitung 2026 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen hat das BIP-Ergebnis für 2024 von −0,5 % auf 0,0 % angehoben. Das Jahr 2025 blieb bei +0,2 %, wie Destatis im Januar 2026 gemeldet hatte (kalenderbereinigt 0,3 %, im Februar 2026 auf 0,4 % revidiert).

JahrBIP real, vor RevisionBIP real, nach Revision
2023−0,6 %−0,6 % bis −1,0 %
2024−0,5 %0,0 %
2025+0,2 %+0,2 %
Q2 2026 (zum Vorquartal)–+0,3 %

Zum 2023-Wert gibt es unterschiedliche Angaben: Eine Quelle nennt −1,0 %, eine Destatis-Tabelle in einer Entstehungsrechnung −0,6 %. Deshalb ist die Spanne angegeben; verbindlich ist der Wert in der Destatis-Tabelle 81000.

Die Revision verändert das Bild: Das reale BIP 2025 lag nach eigener Rechnung aus den Jahreswerten rund 0,4 bis 0,8 % unter dem Niveau von 2022. Rechenweg: 0,994 × 1,000 × 1,002 = 0,996 (−0,4 %) bei einem 2023-Wert von −0,6 %, und 0,990 × 1,000 × 1,002 = 0,992 (−0,8 %) bei −1,0 %. Vor der Revision hatte sich ein Minus von rund 0,8 % ergeben (Rechnung mit 2023 und 2024 jeweils bei etwa −0,5 %: 0,995 × 0,995 × 1,002 ≈ 0,992). Deutschland ist demnach seit 2022 nicht in die Tiefe gerutscht, liegt aber noch leicht unter dem Niveau von 2022.

Historisch ist das trotzdem ungewöhnlich. Die bpb ordnet ein, dass BIP-Rückgänge in der Bundesrepublik seit den 1950er Jahren Ausnahmen waren und die Schwächephase 2023 bis 2025 erst das achte Minus überhaupt darstellte. Diese Zählung stammt aus dem Stand Juni 2025 und berücksichtigt weder die Revision 2026 noch das Wachstum 2025 von +0,2 %; sie ist daher mit Vorsicht zu lesen. Auch eine Quartalsreihe vor der Revision zeigt das Muster: Auf einzelne Minusquartale (zum Beispiel −0,5 % im vierten Quartal 2022, −0,4 % im vierten Quartal 2023) folgten Plusquartale. Zwei aufeinanderfolgende Minusquartale, die das technische Rezessionskriterium erfüllt hätten, zeigt die ausgewählte Reihe ab 2023 nicht; die Daten stammen aus der Zeit vor der Revision 2026.

Ursachen: Energie, Industrie, Handelspolitik, Demografie

Der Sachverständigenrat unterscheidet zwischen zyklischen und strukturellen Gründen. Vier Ursachenstränge lassen sich belegen.

Energiepreise

Die Prognose des Sachverständigenrats wurde im Mai 2026 wegen des Iran-Kriegs und des Energiepreisschocks gesenkt. Energie ist zugleich der Hauptgrund für die aktuelle Inflation von 3,3 %. Für energieintensive Industrien wirkt das doppelt: höhere Kosten und schwächere Nachfrage nach Vorprodukten. Der DIHK nennt hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Steuer- und Bürokratiebelastung als Hypothek für den Industriestandort.

Industrie als Schwachstelle

Die Industrie hat im internationalen Vergleich besonderes Gewicht. Das Verarbeitende Gewerbe steuerte 2024 laut deutschland.de (nach Destatis) 19,7 % zur Bruttowertschöpfung bei, in Frankreich waren es 10,6 %, in den USA 17,5 %. Wer stark auf Industrie setzt, spürt Rückgänge dort stärker. Nach Umsatz ist der Fahrzeugbau mit einem Anteil von 26,7 % am Verarbeitenden Gewerbe die größte Branche, gefolgt von Maschinenbau (12,0 %), Ernährung (10,6 %) und Chemie/Pharma (9,7 %) laut Umweltbundesamt nach Destatis. Der Autoanteil schwankt je nach Abgrenzung der Statistik zwischen etwa 16 und 27 %, Umsatzangaben sollten daher nie ohne Quelle und Abgrenzung verglichen werden. Mehr zur Branchenstruktur findet sich im Ratgeber zu den größten Branchen in Deutschland.

Dass einzelne Monatsdaten täuschen können, zeigt der August 2025: Die Produktion im Produzierenden Gewerbe sank um 4,3 % zum Vormonat, in der Automobilindustrie sogar um 18,5 %, zum großen Teil wegen Werksferien. Als Trendbeleg taugt ein solcher Einzelmonat nicht, wohl aber der Dreijahresrückgang der Wertschöpfung von 1,3 % im Jahr 2025.

Handelspolitik und Exportabhängigkeit

Kraftwagen und -teile waren 2024 mit 262 Mrd. € (16,9 % der Gesamtexporte) das wichtigste Exportgut, die Exportquote im Verarbeitenden Gewerbe liegt bei rund 49 %. Die Quelle (deutschland.de) nennt 48,9 % für 2024 und 48,7 % für 2022, die Jahresangabe ist also nicht eindeutig. Klar ist die Größenordnung: Handelskonflikte treffen eine Wirtschaft, die etwa jeden zweiten Industrieeuro im Ausland verdient, überdurchschnittlich.

Kosten, Sozialbeiträge und Demografie

Der Sachverständigenrat warnt zusätzlich vor steigenden Sozialbeiträgen, die in zehn Jahren um 6 bis 7 Prozentpunkte gestiegen seien (laut taz-Bericht zum Frühjahrsgutachten). Zugleich sank die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Juli 2026 auf 34,68 Mio., 84.000 weniger als im Vorjahr. Höhere Lohnnebenkosten und schwächere Beschäftigung belasten den Standort. Zu demografischen Effekten werden hier keine Zahlen ausgewiesen.

Welche dieser Faktoren Unternehmen bei Standortentscheidungen gewichten, erklärt der Beitrag zu Standortfaktoren. Die Systematik des Gabler Wirtschaftslexikons unterscheidet dabei harte Faktoren, die sich unmittelbar in Kosten niederschlagen (Energie, Löhne, Steuern), und weiche Faktoren. Die aktuelle Debatte dreht sich fast ausschließlich um harte Faktoren.

Warum der Arbeitsmarkt der Erholung hinterherläuft

Im September 2026 waren 2,994 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet, 67.000 weniger als im August, aber 40.000 mehr als im Vorjahr. Die Quote beträgt 6,4 % und liegt 0,1 Punkte über dem Vorjahreswert. Eigene Rechnung: Der Vorjahreswert lag bei 2.954.000, der Anstieg beträgt 40.000 / 2.954.000 = +1,4 %. Ein einzelner Monatsrückgang um 67.000 taugt nicht als Trendwende-Beleg.

Weitere Kennzahlen der BA für September 2026: Die Unterbeschäftigung, die über die gemeldeten Arbeitslosen hinaus weitere Personen erfasst, lag bei 3,615 Mio. Gemeldet waren 660.000 offene Stellen. Rein rechnerisch kommen damit auf eine offene Stelle rund viereinhalb Arbeitslose (2,994 Mio. / 660.000 = 4,5), wobei Qualifikation und Region oft nicht zusammenpassen.

Dass Arbeitsmarktdaten der Konjunktur hinterherlaufen, ist üblich: Unternehmen stellen erst ein, wenn die Auftragslage über Monate trägt. Dazu kommt eine Definitionsfrage. Die Erwerbslosenquote nach ILO-Konzept lag im August 2026 bei 4,3 %, die BA-Quote im September bei 6,4 %. Die Differenz von 2,1 Prozentpunkten ist weitgehend begriffsbedingt, die Messmonate unterscheiden sich außerdem.

KonzeptWer zähltWert
BA-ArbeitslosenquoteBundesagentur, bei Arbeitsagentur oder Jobcenter gemeldet6,4 % (09/2026)
ILO-ErwerbslosenquoteErwerbslose nach internationalem ILO-Konzept (andere Definition)4,3 % (08/2026)
UnterbeschäftigungBA, inkl. Teilnehmer an Maßnahmen3,615 Mio. (09/2026)

Die Aussage „die Arbeitslosigkeit ist niedriger, als es scheint“ wie auch ihr Gegenteil sind deshalb beide verkürzt. Wer international vergleichen will, nutzt die ILO-Quote; wer das nationale Bild nachzeichnen will, die BA-Zahlen.

Prognosen: Was Sachverständigenrat und Bundesregierung erwarten

Die Prognosen für 2026 haben sich im Jahresverlauf mehrfach verschoben. Im Jahresgutachten 2025/26 (November 2025) rechnete der Sachverständigenrat noch mit +0,9 %. Er erwartete, dass ein wesentlicher Teil des Wachstums auf das Sondervermögen Infrastruktur und die Verteidigungsausgaben (Bereichsausnahme 24,4 Mrd. €) zurückgeht. Im Frühjahrsgutachten 2026 senkte er die Prognose wegen des Iran-Kriegs und des Energiepreisschocks auf 0,5 %. Für 2027 erwartet er 0,8 %, für die Inflation 2026 rechnet er mit 3,0 %. Die Bundesregierung hatte im Herbst 2025 noch 1,3 % für 2026 erwartet; diese Zahl stammt aus der Herbstprognose 2025.

PrognoseStandBIP 2026Anlass
BundesregierungHerbst 20251,3 %–
SVR Jahresgutachten11/20250,9 %Sondervermögen, Verteidigung
SVR Frühjahrsgutachten05/20260,5 %Iran-Krieg, Energiepreise

Ein Abgleich mit der Halbjahresentwicklung zeigt Folgendes. Im ersten Quartal 2026 wuchs die Wirtschaft um 0,4 %, im zweiten um 0,3 % zum Vorquartal, zusammen rund 0,7 % im Halbjahr. Redaktionelle Einschätzung: Ein solches Halbjahreswachstum macht ein Jahresergebnis 2026 über der SVR-Prognose von 0,5 % wahrscheinlich. Die Mai-Prognose wirkt damit eher vorsichtig. Eine erneute Energiepreiswelle würde diese Einschätzung allerdings hinfällig machen.

Im Umlauf sind teils Prognosen von 0,3 bis 0,5 % oder eine Sparquote von 10 bis 11 %. Beide Werte passen nicht zu den hier genannten Daten: Die SVR-Prognose im Mai lag bei 0,5 %, im Jahresgutachten noch bei 0,9 %, und je nach Institut und Datum ergeben sich unterschiedliche Zahlen. Die Sparquote lag im zweiten Quartal 2026 laut einer auf Destatis gestützten Meldung bei 9,6 % (erstes Quartal: 9,5 %); verbindlich ist die Veröffentlichung von Destatis.

Was die Krise für Verbraucher bedeutet

Für private Haushalte zählt weniger das BIP als drei Größen: Einkommenssicherheit, Preise und Zinsen. Zur Einkommenssicherheit: Bei 6,4 % Arbeitslosenquote und sinkender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bleibt der Arbeitsmarkt angespannt, auch wenn die Wirtschaft wieder wächst. Wer in Industriebranchen mit rückläufiger Wertschöpfung arbeitet, hat ein anderes Risikoprofil als Beschäftigte in Dienstleistungsbranchen, für die hier keine eigenen Werte ausgewiesen werden.

Bei den Preisen trifft die Energieteuerung vor allem Haushalte mit hohen Heiz- und Fahrtkosten. Der Energieanteil im HVPI-Warenkorb beträgt 8,9 %, Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen nur um 0,4 %. Der Warenkorb des Verbraucherpreisindex umfasst rund 700 Güterarten (Basisjahr 2020); der individuelle Preisanstieg weicht deshalb je nach Verbrauchsmuster erheblich vom Durchschnitt ab. Mehr zu VPI und HVPI findet sich im Artikel zur Inflation in Deutschland.

Bei Erspartem gilt: Unverzinstes Geld verliert bei 3,3 % Inflation in einem Jahr gut 32 € Kaufkraft je 1.000 € (1.000 € / 1,033 = 968,05 €). Bei der EZB-Zielmarke von 2 % wären es knapp 20 € (1.000 € / 1,02 = 980,39 €). Die Differenz von rund 12 € je 1.000 € ist der Mehrverlust für Sparer, die nicht verzinst anlegen; getrieben wird er vor allem von den Energiepreisen. Die Sparquote der privaten Haushalte von 9,6 % im zweiten Quartal 2026 zeigt, dass weiterhin knapp jeder zehnte verfügbare Euro zurückgelegt wird.

Konkrete Handlungsempfehlungen für einzelne Haushalte lassen sich aus Makrodaten nicht ableiten. Wie sich ein Haushalt aufstellt, hängt von Einkommen, Verbrauch und Rücklagen ab; allgemeine Hinweise bieten Verbraucherzentralen. Die Definitionsfragen rund um den Rezessionsbegriff und seine Folgen für private Finanzentscheidungen behandelt der Beitrag zur Rezession.

Fazit

Deutschland ist 2026 aus der Phase schrumpfender oder stagnierender Wirtschaft herausgewachsen, das zeigen das Plus von 0,3 % zum Vorquartal und das Vorjahresplus von 1,0 % im zweiten Quartal. Die Bezeichnung „Wirtschaftskrise“ bleibt dennoch für Industrie, Arbeitsmarkt und Preise berechtigt: Die Industrie-Wertschöpfung sank 2025 das dritte Jahr in Folge, knapp 3 Mio. Menschen sind arbeitslos, die Inflation liegt bei 3,3 %. Wer Aussagen zur Lage liest, sollte auf Datum und Revisionsstand achten, denn das Bild von „zwei Rezessionsjahren 2023/24“ gilt seit der Sommerüberarbeitung 2026 nicht mehr. Sparer und Arbeitnehmer in exportabhängigen Branchen sollten Arbeitsmarkt und Energiepreise im Blick behalten, und Prognosen immer mit Institut und Stand zitieren.

Häufige Fragen

Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Das BIP wächst: +0,3 % im zweiten Quartal 2026 zum Vorquartal, +1,0 % zum Vorjahresquartal. Zugleich sind im September 2026 knapp 3 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet (Quote 6,4 %), und die Inflation liegt bei 3,3 %.

Seit wann ist Deutschland in der Rezession?

Aktuell herrscht keine Rezession im technischen Sinn. Die Schwächephase begann nach Einschätzung des Sachverständigenrats 2019 und war siebenjährig. Nach der Revision 2026 lag das BIP 2024 bei 0,0 % statt −0,5 %, 2025 bei +0,2 %; die Rede von zwei Rezessionsjahren 2023/24 ist überholt.

Warum stagniert die deutsche Wirtschaft?

Als Ursachen gelten hohe Energie- und Arbeitskosten, Steuer- und Bürokratiebelastung, steigende Sozialbeiträge, eine schwache Industrie und der Energiepreisschock durch den Iran-Krieg. Der Sachverständigenrat hält die Schwäche auch für strukturell bedingt, nicht allein für zyklisch.

Welche Krise erwartet Deutschland im Jahr 2026?

Für 2026 erwartet der Sachverständigenrat 0,5 % Wachstum (Mai 2026) bei einer Inflation von 3,0 %. Eine neue Rezession prognostiziert er nicht, das Risiko liegt vor allem in den Energiepreisen. Die Prognosen wurden im Jahresverlauf mehrfach angepasst.

Wann kommt die Wirtschaftskrise?

Die Frage unterstellt eine Krise, die erst bevorsteht. Die Datenlage zeigt eine bereits mehrjährige Schwäche, aus der die Gesamtwirtschaft 2026 herauswächst. Ein konkreter Krisentermin lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten, ein Rückschlag bleibt vor allem bei neuen Energiepreisschocks möglich. Für 2027 erwartet der Sachverständigenrat ein Wachstum von 0,8 %.

Ist Deutschland noch zukunftsfähig?

Eine belastbare Gesamtbewertung lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Fest steht: Die Industrie hat mit 19,7 % Anteil an der Bruttowertschöpfung ein höheres Gewicht als in Frankreich oder den USA, und genau dort liegen die Rückgänge. Ob die strukturellen Probleme gelöst werden, hängt laut Sachverständigenrat von Reformen bei Kosten, Sozialbeiträgen und Investitionen ab.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (Destatis) · Pressemitteilung Nr. 303 vom 25.08.2026, BIP 2. Quartal 2026 · Abruf 10/2026 · destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) · Pressemitteilung Nr. 017 vom 15.01.2026, BIP 2025 · Abruf 10/2026 · destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) · Sommerüberarbeitung 2026 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen · Abruf 10/2026 · destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) · Statement Pressekonferenz BIP 2025 · Abruf 10/2026 · destatis.de
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) · Verbraucherpreisindex und Inflationsrate · Abruf 10/2026 · destatis.de
  • Sachverständigenrat Wirtschaft · Frühjahrsgutachten 2026 (Spring Report 2026) · Abruf 10/2026 · sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  • Sachverständigenrat Wirtschaft · Jahresgutachten 2025/26, Kapitel 1 · Abruf 10/2026 · sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  • Bundesagentur für Arbeit · Arbeitsmarkt im September 2026 · Abruf 10/2026 · arbeitsagentur.de
  • Deutsche Bundesbank · Harmonisierter Verbraucherpreisindex · Abruf 10/2026 · bundesbank.de
  • Wirtschaft und Schule (IW Junior) · Wirtschaftslexikon: Rezession · Abruf 10/2026 · wirtschaftundschule.de
  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) · Zahlen, bitte! #10: Wann kommt Deutschland aus der Rezession? · Abruf 10/2026 · bpb.de
  • tagesschau · Konjunkturkrise: Produktion der Firmen bricht ein · Abruf 10/2026 · tagesschau.de
  • tagesschau · Themenseite Wirtschaftskrise · Abruf 10/2026 · tagesschau.de
  • deutschland.de · Industrieland Deutschland: die wichtigsten Zahlen und Fakten · Abruf 10/2026 · deutschland.de
  • Umweltbundesamt · Umsatz im verarbeitenden Gewerbe 2024 · Abruf 10/2026 · umweltbundesamt.de
  • Springer Gabler · Gabler Wirtschaftslexikon: Standortfaktoren · Abruf 10/2026 · wirtschaftslexikon.gabler.de
Artikel empfehlen

Mehr zu Märkte & Trends

Luftaufnahme eines großen Industriegebiets mit Fabrikhallen, Lagerflächen, Bahngleisen und angrenzender Wohnbebauung.

Märkte & Trends

Standortfaktoren: Definition, Arten und Beispiele

Wo ein Unternehmen produziert, entscheidet über Kosten und Absatz. Welche Faktoren die Standortwahl bestimmen, wie sie sich einteilen lassen und wie Deutschland dasteht.

9 Minuten Lesezeit